Braunschweig, Barcelona, drei Grüfte in Wien – Das Leben der Kaiserin Elisabeth Christine

Wenn die Braunschweiger Welfen eins bieten können, dann eine verwirrende Anzahl an Elisabeth Christines. Die eine führte bis zu ihrer Scheidung eine unglückliche Ehe mit dem preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm. Die andere führte bis zu ihrem Lebensende eine unglückliche Ehe mit dem preußischen König Friedrich II. Und die dritte war Kaiserin des Heiligen Römischen Reiches, Mutter einer der bedeutendsten Frauen des damaligen Europas und, wie ihr Großvater bestürzt feststellen musste, schwerer von seinen Heiratsplänen zu überzeugen als gedacht.

Elisabeth Christine als junges Mädchen
Elisabeth Christine als junges Mädchen, CC-PD

Och nee, Opi, bitte keinen Katholiken!

Die spätere Kaiserin Elisabeth Christine wurde 1691 als älteste Tochter des Herzogspaars zu Braunschweig und Lüneburg geboren. Schon mit 13 Jahren wurde sie von ihrem ehrgeizigen Großvater, dem regierenden Fürsten von Braunschweig-Wolfenbüttel Anton Ulrich mit dem jüngeren Sohn des römisch-deutschen Kaisers verlobt. Der Ehe stand jedoch ein kleines Hindernis im Weg: Elisabeth Christine war protestantisch, ihr Verlobter Karl hingegen katholisch. Doch Anton Ulrich wollte die Braunschweiger Linie mit dem Hochadel verbinden und dafür scheute er weder Kosten noch Mühen. Um seine Enkelin zu überzeugen, holte er sich gelehrte Hilfe ins Boot: er ließ Theologen anreisen, die es schließlich zusammen mit dem Fürsten schafften, Elisabeth Christine von einem Konfessionswechsel zu überzeugen. 1707 war es dann soweit. Die junge Braunschweiger Prinzessin konvertierte im Bamberger Dom zum Katholizismus und nur wenige Wochen später reiste sie nach Österreich. Ihr Verlobter war zu der Zeit aber gar nicht im Land, sondern schlug sich im Spanischen Erbfolgekrieg um die spanische Königskrone. Dass der Bräutigam nicht anwesend war, war ja aber kein Hinderungsgrund für eine Hochzeit. Also fand 1708 erst einmal die Trauung statt, wobei Karl vor dem Altar von seinem Bruder vertreten wurde.

Heiraten, ausharren, heimkehren

Knapp 3 Monate nach der Ferntrauung zogen Elisabeth Christine und Karl gemeinsam in Barcelona ein und die Ehe wurde noch einmal eingesegnet. Obwohl Elisabeth Christine Probleme mit der strikten spanischen Etikette hatte, soll ihre Ehe mit Karl eine glückliche gewesen sein. Nur leider wurde die zukünftige Kaiserin nicht schwanger. Im Frühjahr 1711 starb überraschend der amtierende Kaiser, Karls großer Bruder, und brachte Karl damit in eine leichte Zwickmühle. Er wollte Spanien nicht aufgeben, er wollte sich aber auch zum Kaiser krönen lassen. Also ließ er seine Ehefrau als seine Stellvertreterin in Barcelona zurück und reiste nach Frankfurt am Main, wo er im Dezember desselben Jahres zu Karl VI. gekrönt wurde. Und Elisabeth Christine? Die blieb in Barcelona. Zwei Jahre lang. Mit der Zeit wurde die Situation in der Stadt jedoch immer prekärer und im März 1713 gab Karl schließlich seinen Anspruch auf Spanien auf und seine Frau konnte endlich zu ihm nach Wien reisen. Ihr Durchhaltevermögen hatte ihr bei der Bevölkerung einige Pluspunkte eingebracht und so kam die junge Kaiserin Elisabeth Christine unter tosendem Jubel in der Hauptstadt an. Der Kaiser war zwar positiv überrascht von den Fähigkeiten, die Elisabeth Christine in Barcelona bewiesen hatte, aber das hieß nicht, dass sie sich jetzt in Wien in die Regierungstätigkeiten einmischen konnte. Dafür sollte sie sich lieber darum kümmern, endlich einen Erben zu produzieren.

Kaiserin Elisabeth Christine um 1730
Kaiserin Elisabeth Christine um 1730, CC-PD

Kaiserin Elisabeth Christine wird nicht schwanger – Kaiser Karl dekoriert

Bis zur erwünschten Schwangerschaft sollten noch drei Jahre vergehen, aber der Kaiser ließ nichts unversucht, das Ganze zu beschleunigen. Mediziner legten der Kaiserin nahe, jede Menge Likör zur Fruchtbarkeitssteigerung zu trinken. Außerdem wurde ihr Schlafzimmer mit erotischen Szenen tapeziert – ganz im Sinne der frühneuzeitlichen Rationalität, nach der ja auch Schwangere körperlich deformierte Kinder gebären, nachdem sie etwas Erschreckendes gesehen haben. 1716 folgte endlich der lang ersehnte Thronfolger, doch er sollte nicht einmal ein Jahr alt werden. Von den vier Kindern Elisabeth Christines erreichte nur eine Tochter das Erwachsenenalter. Dass die Habsburger Linie dennoch mit ungeteiltem Herrschaftsgebiet weiterbestehen konnte, ist der Pragmatischen Sanktion von 1713 zu verdanken. Die Sanktion besagte, dass weibliche Erben den Thron besteigen konnten, sollte es keine männlichen Erben mehr geben. Genau der Fall war mit dem Tode Karls 1740 eingetreten. Nach ihm übernahm nun seine Tochter Maria Theresia den Thron. Und die war, anders als Kaiserin Elisabeth Christine, nicht nur dem Titel nach die Herrscherin. Elisabeth Christine überlebte ihren Mann um 10 Jahre, doch die Behandlungen zur Fruchtbarkeitssteigerung und der Tod dreier ihrer Kinder hatten ihr psychisch und physisch schwer zugesetzt. Dennoch hatte sie zeitlebens ein sehr gutes Verhältnis zu Maria Theresia.

Nach ihrem Tod wurde Elisabeth Christines Leichnam, wie es bei Habsburger Monarchen in Wien üblich war, auf drei Grüfte verteilt. Ihr Herz wurde dem Brauch nach in der Loretokapelle zu Füßen der Heiligen Maria beigesetzt.